Kategorien
Allgemein

Blackrock dezent?

In seiner Münchener Niederlassung am Lenbachplatz 1 erscheint außen der Name „BlackRock“ nur als dezente Gravur auf dem Briefkasten. Das entspricht der Unternehmensphilosophie: unbemerkt vom Licht der Öffentlichkeit im Hintergrund zu agieren. – Foto: Günther Hartmann

Das Foto illustriert das Missverhältnis zwischen Macht und Unsichtbarkeit.

Zum Weiterlesen – ÖkologiePolitik ÖDP-Journal im Interview mit Werner Rügemer:

BlackRock: der größte Mitorganisator von globaler Steuerflucht

Kategorien
Allgemein

Blackrock-Tribunal muß weitergehen!

Aufruf: Blackrock-Tribunal muß weitergehen! Einladung zur Mitarbeit

Am 26./27.September 2020 fand in Berlin das Tribunal gegen BlackRock, den größten Kapitalorganisator der Gegenwart statt. Wesentlicher Antreiber dafür war Peter Grottian.
Das Anliegen dieses Tribunals soll fortgeführt werden.
Peter Grottian, Professor a.D. für Politologie (im „Unruhestand“ nach eigenem Bekunden), ist am Abend des 29. Oktober 2020 in Bregenz/Vorarlberg gestorben – diese Nachricht verbreitete sich während des 30. Oktobers wie ein Lauffeuer. Sie traf uns schon am
Vormittag und versetzte uns nicht nur in Fassungslosigkeit und Trauer, sondern betrifft auch unmittelbar unsere eigene interne Organisation. Wir waren, auf seinen Wunsch hin, für eben diesen Abend am 30. Oktober mit ihm zu einem Treffen in Berlin verabredet.
„Wir“: d.h. die kleine Arbeitsgruppe, die unmittelbar an der inhaltlichen und organisatorischen Vorbereitung und Gestaltung des BlackRock-Tribunals beteiligt war, das am letzten Septemberwochenende in Berlin stattgefunden hat, wo er noch einmal den langen Atem von Bewegung beschwor und ein Zusammenwirken der Initiativen inspirierte.
Peter Grottian verfügte über ein klares Verständnis davon, welche Gefahren für die Demokratie bestehen, in Bezug auf den Vermögensverwalter Black Rock, sprach Peter sorgenvoll vom kommenden BlackRock Bürger. Das zentrale Problem der Gegenwart
bestand für ihn darin, Formen der politischen Organisation von Unten zu finden, die den globalen Zusammenhängen gerecht werden. Die Anklage, welche vom Autor und BlackRock-Kenner Werner Rügemer verfasst wurde, enthielt anfänglich 11 Anklagepunkte.
Für das Tribunal war das zuviel und wir entschieden uns 4 der Punkte differenziert zu thematisieren, wofür wir Expert:innen und Sachverständige in den Bereichen Ökonomische Macht und Demokratie, Mieten und Wohnen, Rüstungsproduktion und
Rüstungsexporte und Klima und Umweltschutz gewinnen konnten. Das anschliessende Urteil war vernichtend; „BlackRock verstößt gegen die wesentlichen Prinzipien der Demokratie, gegen Völkerrecht und Menschenrechte sowie gegen nationale Gesetze oder leistet dazu Beihilfe.“ es blieb aber auch unvollständig.
Bei einem anschließenden Treffen mit Interessierten Ende Oktober, entschieden wir, anhand der 11 Anklagepunkte, Initiativen aus den Bereichen zu kontaktieren und eine Zusammenarbeit anzuregen.
Die differenzierten Anklagepunkte im Einzelnen:

  1. Organisierte Steuerflucht zugunsten reicher Privateigentümer
  2. Verletzung von Gesetzen der Marktwirtschaft
  3. Schwächung der solidarischen Rentensysteme
  4. Zerstörung der Demokratie durch Bildung von Nebenregierungen
  5. Beihilfe zur Klimaerwärmung und Zerstörung der Umwelt
  6. Beihilfe zu menschenrenrechtswidrigen Arbeitsverhältnissen
  7. Beihilfe zur demokratieschädlichen sozialen Ungleichheit
  8. Beihilfe zur menschenrechtswidrigen Erhöhung von Mieten
  9. Beihilfe zur Ausspähung von BürgerInnen und Unternehmen
  10. Beihilfe zur Manipulation der Öffentlichkeit
  11. Beihilfe zu völkerrechtswidrigen Kriegen

Um der Aufarbeitung all dieser Punkte gerecht werden zu können, aber auch für die Betreuung und Gestaltung der Webseite und das Zusammenstellen wichtiger Informationen, ist unser Team viel zu klein. Zudem fehlt eine Finanzierung und wir sind angewiesen auf ehrenamtliche Mitarbeit. Der durch Peter Grottian angestoßene Prozess
sollte aber unbedingt fortgesetzt werden, denn das Tribunal hatte exemplarisch BlackRocks Ausbreitung in aller Welt und in alle Lebensbereiche hinein gezeigt.
Als letzte Initiative, die Peter aktiviert hat, fühlen wir uns verantwortlich und motiviert, als letzte „Staffelträger“ in seinem Sinne weiterzumachen: Wir möchten an Euch alle, als seine früheren zahlreichen Initiativen, als seine alten Kollegen, Freunde, Mitstreitenden appellieren, Peters letztes Anliegen so ernst zu nehmen wie er selbst, und sich BlackRocks und Co. wachsender Einflussnahme in aller Welt entgegenzustellen.
Interessierte schreiben bitte an blackrocktribunal@riseup.net
Viele Menschen haben Peter Grottians Tod bedauert. Wir hoffen daher, aus diesen Reihen weiter Aktive zur Mitarbeit gewinnen zu können. Wir freuen uns von Euch zu hören.

Aufruftext: Blackrock-Tribunal muß weitergehen!

Kategorien
Allgemein

Nachruf Peter Grottian

Wir trauern um Peter Grottian
1942 – 2020

Nachruf auf Peter Grottian des Teams von TockTockBlackRock

Am Donnerstag, den 29. Oktober 2020 ist Peter Grottian verstorben, ein großer Verlust. Peter Grottian verfügte über ein klares Verständnis davon, welche Gefahren für die Demokratie bestehen. In Bezug auf den Vermögensverwalter BlackRock sprach Peter sorgenvoll vom kommenden BlackRock Bürger. Peter Grottian 1942 in Wuppertal geboren, war von 1979-2007 Professor für empirische Staats- und Verwaltungsforschung am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Die Schwerpunkte seiner Lehre waren Strategien zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit, Neue soziale Bewegungen, Umbau des Sozialstaates und Metropolenentwicklung. 1985 verzichtete er auf ein Drittel seiner Professorenstelle, damit eine Stelle für eine Genderforscherin geschaffen werden konnte. Er organisierte Bürgerproteste gegen die Bankenmacht, protestierte unter anderem gegen die Automobilindustrie, den Waffenhandel, Glyphosat und Hartz-IV – nicht selten war er der Initiator des gebotenen Widerstands unter Berufung auf die Demonstrations- und Meinungsfreiheit und setzte sich nun zum Schluss dafür ein, das Tribunal gegen BlackRock zu realisieren.

Er hat sich in den letzten Monaten oft geärgert, darüber, dass sich die Zivilgesellschaft alles gefallen lässt, darüber, wie schwer es war aktive Mitstreiter im Kampf gegen den Finanzgiganten BlackRock zu finden und im Juni dieses Jahres empörte er sich darüber, niemanden aus dem linken Umfeld zu finden, der mit ihm eine Demonstration zur Situation der Kurzarbeit und Jobverluste ausgelöst durch die Pandemie Krise, organisieren würde. Wie brav die Leute sind, damit hatte Peter ein Problem. Er hatte den Mut zur Unzufriedenheit, welche er einen spüren ließ. Und immer wieder fragte er, wo ist die Zivilgesellschaft, wo sind die Verbände, was ist mit dem zivilen Ungehorsam, für den er ein wichtiger Fürsprecher war. Auch sein letztes Projekt das BlackRock Tribunal im September, welches ohne seinen beharrlichen Einsatz nicht stattgefunden hätte, konnte ihn bezüglich des Einsatzes der Zivilgesellschaft nicht zufrieden stellen. Wo sind die jungen Leute, wo sind die Medien, was können wir tun? Das zentrale Problem der Gegenwart bestand für ihn darin, Formen der politischen Organisation von Unten zu finden, die den globalen Zusammenhängen gerecht werden. Er berief sich auf seinen verstorbenen Freund und Mitstreiter Wolf-Dieter Narr, der von einer „Niemandsherrschaft“ sprach, eine scheinbar nicht mehr greifbare oder zurechenbare, ökonomische Herrschaft, die er durch das Benennen des mächtigen Akteurs BlackRock brechen wollte. Mit Werner Rügemer, der in seinem Buch „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ differenziert auf BlackRock eingeht, konnte er einen fundierten Kenner des Finanzkapitalismus neuen Typs zur Mitarbeit gewinnen. Das Tribunal war mit vielen Interessierten und Sachverständigen Referenten auf den Feldern Klima, Rüstung, Miete und Ökonomie und Demokratie insofern ein Erfolg, dass ein erster Schritt geschafft war, den Fokus auf die sich seit der Finanzkrise 2008 stärkenden Vermögensverwalter als Schattenbaken zu richten.

Peter hat in Bezug auf das Tribunal stets von einem kleinen Blümlein gesprochen, welches er, als „bemooster Karpfen“ mit seiner wunderbaren „Altersradikalität“ in die Welt setzen wollte. Denn BlackRocks ökonomische Macht hat eine Herrschaftsmacht erreicht, die mit den Grundprinzipien von Demokratie und sozialer Marktwirtschaft kollidiert. Diese Arbeit haben wir so gut es ging unterstützt. Zufriedengestellt hat ihn auch das nicht und er hätte weiter Druck gemacht. Diesen Druck müssen wir nun ohne ihn ausbauen. Ein unermüdlicher Antreiber wie Peter es war, wird uns dabei, schmerzlichst fehlen. Peter riet uns eindringlich nicht nur am Küchentisch verbal radikal zu sein, sondern diese Radikalität auch zu praktizieren. Dafür war er als Initiator vieler Proteste und Aktionen, Zeit seines Lebens ein Vorbild.

Nachruf als PDF